Costa-Rica 2009

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Flughafen Frankfurt
Es ist unsere sechste Reise in diese tropische Land und viele neue Abenteuer warteten auf uns. Unsere Reise begann schon damit, dass unser Anschlusszug in Karlsruhe wegen eines Notarzteinsatzes nicht fuhr und wir einen Ersatzzug nach Mannheim zugeteilt bekamen, von wo aus wir in einem weiteren ICE nach Frankfurt und von dort in einem vierten Zug bis an den Flughafen fuhren. Unser geplanter Abflug um 23:55 Uhr wurde dann wegen einem defekten elektrischen Bauteils im Flugzeug zuerst verzögert und dann auf 3:30 Uhr verschoben. Nach einer langen Wartezeit im ungeheizten Boarding-Raum flogen wir endlich los. Nach langen 15 Stunden landeten wir schließlich um 10 Uhr morgens in San José, wo uns herrliches angenehmes Wetter erwartete.

"Hotel Colonial" im Zentrum von San José
Trotz dass die Haupstadt auf fast 1200 m über dem Meer liegt ist das Klima das ganze Jahr über angenehm mild. Am Flughafen empfing uns auch gleich wieder ein Mitarbeiter der costaricanischen Reiseagentur "Tierra Verde", der uns direkt zu unserem Stadthotel "Colonial" fuhr. Ein kleines sehr freundliches und sauberes Hotel im Zentrum der Stadt. Rundherum gibt es Geschäfte, viele Museen und eine Fußgängerzone in der sich viele Menschen tummeln und zwei Straßen weiter ein vegetarisches Restaurant Namens "Shakti" in dem wir leckeres Essen bekamen, wirklich sehr zu empfehlen.
Am nächsten Morgen wurden wir vom Sammelbus der "Mawamba-Lodge" abgeholt und zu dieser nach Tortuguero gefahren. Auf dem Weg dorthin bekamen wir in Guápiles ein tolles Frühstück und fuhren dann weiter über Siquirres bis zur Anlegestelle der Schnellboote von denen uns eines nach Tortuguero brachte. Nach fast zwei Stunden Bootsfahrt durch die Kanäle, an deren Seiten nur der immergrüne Regenwald zu sehen ist, legten wir an der Lodge an und wurden mit einem Willkommensdrink empfangen.
Die Lodge ist mit ca. 50 Zimmern ziemlich groß aber diese verteilen sich großzügig auf mehrere Holzhäuser über die weitläufige Anlage. Im Allgemeinen ist alles sehr gut gepflegt und macht einen ordentlichen Eindruck ganz im Gegensatz zu manchen negativen Meinungen im Internet. Nur wenn hier alle Zimmer belegt wären, würde es wahrscheinlich ziemlich ungemütlich werden.
Um die Anlage verteilt sich ein großer Garten mit vielen Wegen, einem Schmetterlingsgarten und einem Ranarium für Frösche. Mitten in der Anlage befinden sich viele Pflanzen mit kleinen Teichen dazwischen, die sich optimal als Laichplatz für Rotaugenlaubfrösche eignen. Diese werden hier sogar eigens in einer kleine Zuchtstation aufgezogen. Deshalb wimmelt es abends auch überall im Gebüsch von diesen Amphibien, die durch lautes Quaken ihren Partner finden wollen.

Einer der Kanäle in Tortuguero

Rotaugenlaubfrosch (Agalychnis callidryas)
Als wir hier ankamen war herrliches Wetter und wir spazierten mit unserem Führer Henry und der Reisegruppe in der wir uns befanden, über die Anlage. Henry sprach kein Deutsch und sein Englisch war meistens mehr als undeutlich aber man konnte den Sinn seiner Erklärungen verstehen.

Wettrennen der Baby-Schildkröten ins Meer
Die Eiablage der Meeresschildkröten hier am Strand ist von Juli bis Oktober, deshalb war nun die Zeit in der die Jungen schlüpften und sich eilig auf den Weg ins Meer machten, bevor sich die vielen gierigen Fressfeinde wie Geier und auch Hunde auf sie stürzten. Henry ging mit uns in der Abenddämmerung an den Strand und ein weiterer Einheimischer zeigte uns eine handvoll kleiner Schildkröten, wie sie sich auf den Weg über den Strand ins Meer machten. Wir verfolgten die kleinen putzigen Tierchen natürlich, so dass kein Geier sich her traute und alle wohlbehalten in der Brandung der Karibik verschwanden. Uns war schnell klar, dass dieses Ereignis von den Führern auf die Minute genau organisiert war, aber trotzdem ein schönes Erlebnis, das man in Erinnerung behalten wird.
Am zweiten Tag in Tortuguero machten wir gleich früh morgens vor dem Frühstück um sechs Uhr eine Bootstour durch die Kanäle um Tiere zu beobachten. Wir sahen viele Vögel, Leguane und Brüllaffen bei wunderbarem sonnigem Wetter. Zurück in der Lodge gab es Frühstück mit Gallo Pinto, Toast und Früchten, so dass wir gestärkt gleich auf zu einer weiteren Bootsfahrt aufbrechen konnten, da das Wetter immer noch sehr gut war. Dieses Mal saßen wir ganz vorne im Motorboot und konnten tolle Bilder machen, da wir nun ganz langsam durch enge Kanäle fuhren. Wir sahen wieder viele Vögel aber auch Klammeraffen, Schildkröten sowie kleine und große Kaimane. Zum Schluss der Tour begann es doch noch zu regnen und wir waren froh, dass wir unsere Regencaps dabei hatten. Aber schon nach dem Mittagessen hörte der Regen wieder auf und wir machten eine weitere kleine Bootsfahrt zu einem Wanderpfad durch den Regenwald. Dieser war extra für Touristen gemacht und als Beton-Steg ausgebaut worden – ziemlich langweilig. Auch deswegen weil unser Führer Henry nichts erklärte. Wir fanden wenigstens ein paar Pfeilgiftfrösche, die wir den anderen in der Gruppe zeigen konnten. Das war doch etwas entäuschend. Auf der Rückfahrt ließen wir uns im kleinen Dorf Tortuguero absetzen, ziemlich touristisch mit vielen kleinen Bars und Souvernirläden – nicht wirklich ein Muss auf einer Tour durch Costa Rica. Von dem Dorf konnten wir dann am Strand gemütlich zu unserer Lodge zurück laufen.

Amazonasfischer (Chloroceryle amazona)

Mit dem Boot im Urwald von Tortuguero

Die "Mawamba-Lodge"

Unser Zimmer in der weitläufigen Anlage
Am nächsten Tag ging es nach dem Frühstück wieder mit dem Boot ca. zwei Stunden zurück bis zur Bootsanlegestelle in Cano Blanco und von dort mit dem Bus weitere zwei bis zu einem Restaurant in dem wir zu Mittag aßen. Hier bekamen schon einige der Mitreisenden ihren Mietwagen von "Europcar", wir mussten allerdings noch einen Kilometer weiterfahren, bis an eine Tankstelle hinter der eine Übergabestelle von "Adobe" zu finden war. Hier bekamen wir schließlich, nachdem vor uns noch ein spanisches Ehepaar ihren Mietwagen bekam, unseren Suzuki Jimny. Diesemal ganz neu mit gerade einmal 900 km auf dem Tacho. Nun war es schon drei Uhr nachmittags und wir mussten noch durch San José über die Panamericana bis nach San Isidro del General fahren, insgesamt fast 200 Kilometer. Aber es lief erstaunlich gut über den Braulio Carillo Nationalpark und auch durch die Hauptstadt in der glücklicherweise sehr wenig Verkehr herrschte. Wahrscheinlich auch weil im Fußballstadion gerade ein Spiel stattfand. Nur einmal standen wir auf der zweispurigen Straße eine Weile im Stau der sich aber aufeinmal an einem Einkaufszentrum auflöste. Anscheinend ging halb San José Sonntag-Nachmittags hier zum Einkaufen. Wir fuhren weiter über die Panamericana nach Süden über den 3300 m hohen Cerro la Muerte auf dem dichter Nebel herrschte. Es war schon dunkle Nacht aber trotzdem recht gut zu fahren, da die Straße neu geteert war und die Seiten- und Mittelstreifen mit Reflektoren ausgestattet wurden. Zudem hatten wir großes Glück, dass wir nicht einmal einen der großen Trucks vor uns hatten. So schafften wir die Strecke bis zu unserer Lodge "Bosque del Tolomuco" ein paar Kilometer von San Isidro in gut 3 ½ Stunden.

Die "Bosque del Tolomuco Lodge"

Einer der vielen Kolibris
In der Lodge hatte man schon nicht mehr mit uns gerechnet aber doch war die Freude bei uns allen groß endlich am Ziel zu sein. Das schon über siebzigjährige Ehepaar, Rolf und Lise, machten aber uns trotzdem noch ein tolles Abendessen zudem wir den leckeren selbstgemachten Wein von Rolf probieren konnten. Rolf ist Deutscher und zog mit seiner kanadischen Frau vor sechs Jahren nach Costa Rica um ihre Rente in einem wärmeren Klima zu genießen. Was heißt Rente, sie haben hier diese hübsche Lodge gebaut und führen diese trotz ihres hohen Alters um noch etwas dazu zu verdienen. Die beiden sind sehr gesprächig, sehr nett und wir unterhielten uns noch eine ganze Weile bis wir ziemlich müde ins Bett fielen.
Nach einer kühlen Nacht stand ich gleich früh morgens auf um die vielen Vögel zu beobachten. Wir hatten einen eigenen kleinen Bungalow der etwas unterhalb der Lodge auf einem kleinen Hügel stand. Früher war dies das Wohnhaus der Bauern, die hier Landwirtschaft betrieben. Nun umgebaut ist es ein gemütliches kleines Häuschen. Das einzige was etwas stört ist die Nähe zur Panamericana auf der ziemlich viele Lastwagen fahren. Oberhalb der Lodge gibt es insgesamt ca. vier Kilometer sehr gut gepflegte Wanderwege die wir gleich erkundeten.

Sommertangar (Piranga rubra)
Nachmittags fuhren wir über San Isidro del General in den Park von Prof. Alexander Skutch "Los Cusingos Neotropical Bird Sanctuary", einem bekannten Ornithologen der hier mehrere Jahrzehnte lebte und insgesamt 33 Bücher schrieb. Sein Wohnhaus ist hier nun ein kleines Museum mit all seinen privaten Dingen das man besichtigen kann. Normalerweise ist alles abgeschlossen, aber ein angestellter junger Tico öffnete uns die Türen und zeigte uns die einzelnen Räume und ich konnte mich mit ihm unterhalten und meine mageren Spanisch-Kenntnisse aufbessern. Rund um das Haus ist nun ein biologisches Reservat mit Wanderwegen, das von Ornithologie-Studenten zur Vogelbeobachtung genutzt wird. Nachdem wir den Eintritt von 10 $ pro Person bezahlt hatten liefen wir auch einen Wanderweg entlang. Allerdings mussten wir nach der Hälfte des Rundweges wieder umkehren, da der Weg mit einem Teppich von Ameisen übersäht war. Wahrscheinlich eine Art von Treiberameisen, die sich ihren Weg durch den Dschungel bahnten. Die Vögel freuten sich allerdings an der Masse der Ameisen und fraßen sich daran satt.
Nach einer weiteren Nacht in der Lodge "Bosque del Tolomuco" bekamen wir wieder auf der Veranda ein tolles Frühstück mit selbst gebackenem Brot, Früchten und Gallo Pinto. Danach beobachteten wir noch in aller Ruhe die Vögel um die Lodge bevor wir uns von Rolf und Lise verabschiedeten und uns auf die Weiterreise hinab an die Pazifikküste machten.
Die Straße über San Isidro bis nach Dominical ist sehr gut ausgebaut und ähnelt einer kurvigen Landstraße bei uns im Schwarzwald. So erreichten wir schon nach gut 1 ½ Stunden unsere nächste Lodge "Finca Bavaria" in der Nähe von Uvita, etwas südlich von Dominical. Eine kleine Anlage mit sechs Zimmern, etwas weiter oben angelegt, mit herrlichem Blick über den pazifischen Ozean. Umgeben von Urwald hat es dort sehr viele Tiere und man wird jeden Morgen schon gegen vier Uhr von Brüllaffen geweckt, deren Männchen sich durch kräftiges Brüllen in ihrem Revier behaupten. Jedes Zimmer hat eine kleine Terrasse davor, von der aus man in aller Ruhe die unzähligen Vögel beobachten kann.

Brüllaffen direkt vor unserem Zimmer
In der Nähe bei Uvita gibt es das Biologische Reservat „Oro Verde“ in dem man geführte Wanderungen unternehmen kann. Es ist über einen sehr schlechten Weg und nur mit Allrad-Fahrzeug erreichbar. Auf dem Weg dorthin hat man eine grandiose Aussicht über die Pazifikküste bevor man ein kleines Haus erreicht in dem die Station untergebracht ist und von einer einheimischen Familie geführt wird. Normalerweise sollte man hier früh morgens gegen fünf Uhr herkommen, da dann die meisten Tiere, vor allem Vögel aktiv sind.

Blick über die Pazifikküste bei Uvita

Farbenprächtiger Veilchentrogon (Trogon violaceus)
Wir kamen aber erst gegen elf Uhr an und fragten die Frau der Familie nach einer Wanderung. Sie war sehr nett und hilfsbereit. Ihr Mann kam nach einer Weile und bot uns eine zweistündige Führung durch den Regenwald an, die wir gerne annahmen. Trotz dass es Mittag war sahen wir doch einige Vögel und auch ein Agouti. Glück hatten wir zwei farbenprächtige Trogone zu sehen. Unser Führer erklärte uns einiges über die Bäume und Pflanzen und deren Heilwirkung oder sonstige Verwendung. ..................
Wieder zurück in der Finca Bavaria genossen wir noch den Pool von dem man eine herrliche Aussicht über den Pazifik hat. Nach dem tollen Frühstücksbuffet fuhren wir in das Naturreservat „Hacienda Baru“ etwas nördlich von Dominical. Dort hatten wir eine einfachere Canopy-Tour gebucht, die nicht nur aus Seilbahnfahrten bestand, sondern auch mit kleinen Wanderungen durch den Regenwald verbunden war. Unser Führer konnte uns dadurch auch ein paar Dinge aus dem Regenwald und der Geschichte des Reservates erklären. Wir sahen auch ein paar Faultiere hoch oben in den Bäumen. Eines davon hatte soeben ihr Junges verloren, es fiel von weit oben herunter und starb am Boden. Auch unsere Führer konnten dem Jungen nicht mehr helfen.
Es war sehr heiß an diesem Tag aber nach der anstrengenden Canopy-Tour wanderten wir trotzdem noch über einen Rundweg durch das Reservat. Den Tieren war es wohl auch zu warm und so sahen wir neben einem schlafenden Eichhörnchen auch Nasenbären in einem Baum die sich gerade mit weit aufgerissenem Maul streckten und sich langsam wieder auf Futtersuche begaben.

Braunkehl-Faultier (Bradypus variegatus),
wie eindeutig zu sehen ist ein Vertreter der Familie der Dreifinger-Faultiere (Bradypodidae)
Nachmittags fuhren wir noch in Dominical vorbei um einen Kaffee zu trinken. Das Dorf wirkte sehr heruntergekommen mit vielen Bars und kleinen Läden aber vor allem durch die vielen Aussteiger und Surfer am Strand die nicht gerade einen sympathischen Eindruck machten. In der Finca Bavaria konnten wir an diesem Tag zum Glück noch das Faultier näher beobachten, das schon bei unserer Ankunft weit oben in einem kleinen Baum hing. Man sah nur eine Kugel aus Fell, die sich ab und zu mal bewegte. Doch an diesem Tag hatte es wohl Hunger und machte sich auf den Weg nach unten in einen anderen kleineren Baum deren Blätter wohl besser schmeckten. Nun konnten wir es endlich mal richtig in Bewegung sehen und auch fotografieren.
Am nächsten Tag fuhren wir weiter Richtung Norden. Wir wollten in die „Cerro Lodge“ am Rio Tarcoles oder in das „Villas Lapas“ das auch ganz in der Nähe war. Wir schauten uns zuerst die „Cerro Lodge“ an, aber schon auf dem Weg dorthin gefiel uns die Gegend nicht besonders. Alles war ziemlich neu angelegt und von richtigem Wald war hier nichts zu sehen. Also beschlossen wir gleich das nächste Hotel anzusehen. Das „Villas Lapas“ ist ein relativ großes Hotel das im Internet auch recht gut bewertet wurde aber auf uns machte es keinen einladenden Eindruck. Es ist ziemlich groß mit vielen Zimmer die alle hintereinander in einem langen Gebäude untergebracht sind. Alles wirkte ziemlich alt und abgenutzt. Da wir drei Tage später schon eine fest gebuchte Unterkunft in Nosara hatten fuhren wir mit unserem Mietwagen noch weiter in den Norden bis zu der „Ensenada Lodge“ vor dem Nationalpark Palo Verde. Die Lodge ist Bestandteil einer großen Ranch direkt am Golf von Nicoya und ist ein Familienbetrieb der von Einheimischen geführt wird. Sie besteht aus mehren Holzbungalows und einem Haupthaus mit Restaurant und einem kleinen Pool in der Mitte. Die Zimmer sind einfach aber sauber und die Mitarbeiter hier sind alle sehr freundlich. Das Essen gab es immer reichlich vom Buffet und schmeckte hervorragend.

Unser Bungalow in der "Ensenada Lodge"

Das Restaurant
Gleich am nächsten Morgen begannen wir die Wanderwege auf dem weitläufigen Gelände zu erkunden. Den Weg, den wir auswählten, führt anfangs am Strand entlang der aber nur bei Ebbe zu sehen ist, bei Flut steht der Weg unter Wasser. Er führte uns weiter zu den Salinen in denen auf der Ranch Salz gewonnen wird. An diesem Tag war es unglaublich heiß und wir versuchten nur im Schatten zu wandern. An einem Teich, der irgendwie gar nicht hierher passte, da er mit blühenden Seerosen bedeckt war, sahen wir einen schwarzen Bussard vor uns im Baum sitzen. Er war dabei sein Gefieder in der Sonne zu trocknen und ließ sich erstmal nicht dabei stören. Erst als wir ihm zu nah kamen machte er sich davon und flog weg. Der Weg führte uns weiter auf einen kleinen Hügel von dem man das ganze Gelände wunderbar überblicken konnte.
Da man hier in der Bucht nicht baden konnte, genossen wir den heißen Nachmittag gemütlich auf der Ranch und sahen den unzähligen Möwen zu, die sich hier in der Bucht versammelten. Ihr Ziel war der lange hölzerne Bootssteg auf dessen Geländern sie sich lautstark hinsetzten und um ihren Platz kämpften. Es wurden immer mehr bis beide Seiten mit Möwen völlig besetzt waren, alle im selben Abstand zueinander in die gleiche Richtung blickend, aufgereiht wie Soldaten.

Rotnacken-Zaunkönig (Campylorhynchus rufinucha)

Krabbenbussard (Buteogallus anthracinus)

Unzählige Möwen an einem Bootssteg
Nach einer weiteren Nacht in unserem Holzbungalow machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zu unserem nächsten Ziel, der "Lagarta Lodge" in Nosara. Die Strecke war ja nicht mehr soweit, da wir zwei Tage zuvor schon das meiste gefahren waren. So erreichten wir nach zweieinhalb Stunden die Lodge direkt am Pazifik. Sie steht auf einem Hügel über dem Meer, direkt über einem kleinen Naturreservat das auch zu der Lodge gehört. Mit nur sechs Zimmern ziemlich klein aber sehr schön angelegt mit eigenem Restaurant und einem Pool. Von hier oben aus kann man über eine lange Treppe hinunter in den Wald laufen durch den verschiedene Wanderpfade führen. Diese begannen wir gleich zu erkunden, wobei wir schon bald einen Nasenbären und verschiedene Vögel sahen.

Auf den Wegen durch das Schutzgebiet

Neunbinden-Gürteltier (Dasypus novemcinctus)
Das Abendessen im Restaurant war hervorragend und ist nur zu empfehlen. Wir gingen bald zu Bett, da wir für den nächsten Morgen schon eine kleine geführte Tour durch das Reservat gebucht hatten. Gleich um halb sieben, nach einer Tasse Kaffee ging es mit unserer Führerin hinab in den Wald. Sie ist auch Deutsche und lebt hier schon seit mehreren Jahren. Sie erklärte uns nicht die Tierwelt, sondern speziell Bäume und andere Pflanzen, die hier in den Mangroven überleben müssen. Durch Regen- und Trockenzeit, durch verschiedene Wasserstände und den hohen Salzgehalt im Boden erfordert das Leben hier besondere Anpassungsfähigkeiten. Es gibt hier unglaublich viele verschiedene Pflanzen, allein über ca. 1600 verschiedene Baumarten gibt es in Costa Rica, zum Vergleich: in ganz Mitteleuropa gibt es gerade einmal ca. 50!
Der Morgen begann schon stark bewölkt mit leichtem Regen bei dem es auch den ganzen Tag lang blieb. Durch ein unerwartetes Tief zogen an diesem Tag Regengebiete mit kühlerer Luft über das ganze Land und so verbrachten wir die meiste Zeit vom Tag in Nosara oder in der Lodge. Da es hier im Restaurant- und Poolbereich auch Internetverbindung gab konnten wir uns mit unserem Netbook dort einloggen und bequem unsere E-Mails abrufen und auch welche schreiben. Ebenso benutzten wir den kleinen Computer auch für das Speichern unserer vielen Bilder und zum Schreiben von Texten, welche ich sonst immer auf Papier schrieb und zuhause dann mühsam in den Computer eintippte.

Der herrliche Ausblick von der "Lagarta Lodge" über das Naturschutzgebiet am Nosara-River
Das Regengebiet zog in einem Tag durch und so war wieder herrliches Sommerwetter, wie man es zu Beginn der Trockenzeit gewohnt war. Heute nahmen wir all unseren Mut zusammen und gingen zum Canopy in Nosara, welches mit über 11000 m die längste gesamte Seillänge der Welt hat. Wir wurden ausgerüstet und mit einem kleinen Lastwagen in einer halben Stunde auf einen kleinen Berg gefahren, von wo aus die Tour startet. Eigentlich ist dieses Canopy recht harmlos, da die einzelnen Stationen sich immer auf der Erde befinden und nicht auf Plattformen hoch oben an Bäumen oder Masten. So wird man von den Guides an das Seil gehängt und fährt los während der Abstand zu Boden unter den Füßen immer größer wird. Man überquert immer ein Tal und braucht für jede der 12 Seilbahnen ca. eine Minute. Es ist mit 65 $ zwar nicht gerade günstig, aber es lohnt sich und macht riesig Spaß. Vor dem letzten Seil kann man die Ausrüstung ablegen und man wandert in der Gruppe ein Stück an einen Wasserfall, wo man auch Baden kann. Hier zeigten uns die Guides gleich eine hochgiftige Korallenschlange, die sie mit langen Holzstangen aus dem Gebüsch holten. Uns wurden auch noch einige Pflanzen und Bäume erklärt, wobei die Gruppe, die aus ca. 20 Personen bestand, sich um einem Baum versammelte, als aus dem Gebüsch darunter auf einmal ein lautes Grunzen zu hören war. Die hohen Pflanzen bewegten sich zur Seite und ein großes schwarzes Ding schoss laut brüllend heraus. Einige der Touristen, fast nur Amerikaner, standen kurz vor einen Herzinfarkt und wurden kreidebleich als vor ihnen ein Guide mit Gorillamaske stand und sich vor Lachen den Bauch halten musste.
Auch wenn es an diesem Tag ziemlich heiß war, liefen wir nachmittags nochmals durch das Reservat am Nosara-River unterhalb der Lodge. Wir sahen zwar nicht allzu viele Vögel aber dafür konnten wir ein Gürteltier beobachten, das in aller Ruhe den Urwaldboden nach Essbarem durchwühlte und langsam davon trottete.

Früh morgens im Wald ...

Die ersten Sonnenstrahlen
Auf dem Fluss ist es auch möglich eine kleine Bootstour zu unternehmen. Geführt wird diese von einem Deutschen der einem die Tierwelt am Fluss in einem kleinen Elektroboot zeigt. Wir meldeten uns für die Tour früh morgens an und waren pünktlich am Fluss, wo auch das Boot schon am Ufer lag. Der Führer der sich Leeroy nannte war auch da, aber wir mussten noch auf weitere Gäste warten, die nach und nach eintrafen. Einer nach dem anderen kam, bis schließlich 11 Personen anwesend waren die alle in das kleine Boot sollten. Für uns waren das eindeutig zu viele Leute und wir sagten unsere Mitfahrt ab. Man hätte vielleicht viele Tiere sehen können, aber aus guten Fotos wäre wohl nichts geworden. So liefen wir nochmals durch das Reservat und konnten an diesem Morgen viele Vögel beobachten. Unter anderem auch eine Specht, der unter der Baumrinde einen Skorpion aufspürte, ihn zwischen seinem Schnabel hielt, gegen den Baum schlug und dann hinunterschluckte. Das konnte er wohl sehr geschickt, ohne dass ihn der Skorpion mit seinem Stachel stechen konnte.
Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von der "Lagarta Lodge" und fuhren weiter in den Norden in die "Finca Canas Castilla" kurz vor der Grenze zu Nicaragua. Die Landschaft zwischen Liberia und La Cruz wurde immer trockener was uns eigentlich nicht gefällt. Nach La Cruz allerdings geht es in ein Flusstal hinab in dem es wieder erstaunlich grün wurde. Die Finca erstreckt sich über mehrere Hektar Land auf denen auch Kühe und Pferde weiden. Durch das Gebiet führen verschiedene Wanderpfade neben denen Bananen, Orangen und verschiedene andere Früchte angebaut werden. Da der Verkauf gerade von Orangen sich nicht lohnt, wird ein Teil zum eigenen Verzehr verwendet und das meiste den Tieren überlassen. Hier freuen sich vor allem kleine und große grüne Papageien und Klammeraffen.
Die Finca haben die Schweizer Guido und Agi 12 Jahre zuvor gekauft und mit den Bungalows erweitert. Diese liegen hintereinander an einem Fluss unter sehr hohen Bäumen die viel Schatten spenden, denn es war sehr heiß, obwohl es erst der Anfang der Trockenzeit war. In den Bäumen tummeln sich jeden Tag Brüll- und Klammeraffen und es ist ein tolles Erlebnis diesen beim Klettern zuzusehen. Es hat auch unzählige Vögel wie beispielsweise den Kahnschnabel, ein Mischung zwischen Ente und Reiher oder die großen Gruppen grüner Papageien die sich den ganzen Tag lautstark unterhalten, ein wahres Paradies für Naturliebhaber.

Klammeraffen bei der "Finca Canas Castilla"

Kahnschnabel (Cochlearius cochlearius)

Die "Finca Canas Castilla" in der Nähe von La Cruz kurz vor Nicaragua

Guido mit einem verletzten Baumstachelschwein (Coendou mexicanus)
Eines Morgens saß ein Baumstachelschwein auf einem Feldweg dem es anscheinend nicht gut ging. Es hielt die eine Pfote hoch und konnte sich nicht richtig bewegen. In seiner Schnauze und seinen Beinen steckten einige gelbe Stacheln die das Tier auf dem Rücken und auf dem Kopf trägt und zur Verteidigung einsetzt. Es sah ganz danach aus, als hatte es einen Kampf mit einem anderen Männchen. Wir wollten ihm helfen und so kam Guido mit einer langen Flachzange und zog ihm einige der Stacheln heraus. Nach einiger Zeit war es dann wieder verschwunden.
Zur selben Zeit musste ich noch einen ungebetenen Gast aus unserem Zimmer entfernen. Wir hatten auf einmal viele Ameisen die sich in der Wand breit machten. Diese haben wohl einen Skorpion aufgescheucht, der sich nun unter unserem Rucksack versteckte. Ich nahm ihn vorsichtig auf ein Stück Karton und legte ihn draußen ins Gebüsch unter ein Blatt.
Jeden Abend gab es im kleinen Restaurant Essen, das Agi selbst zubereitete. Sie kann hervorragend kochen und es schmeckte wirklich allen Gästen, die auch über Weihnachten hier waren. Ebenso das Frühstück zu dem es immer selbstgebackenes Brot und frischen Kaffee gab.

Baumstachelschwein (Coendou mexicanus) mit Verletzungen durch den Kampf mit einem Rivalen

Die Mülleramazone (amazona farinosa) verdankt ihren Namen dem etwas „mehligen“ Aussehen ihres Gefieders
Nach drei erlebnisreichen Tagen mussten wir leider schon wieder weiter in unsere nächste Unterkunft. Nachdem wir noch einer ganzen Horde an Brüll- und Klammeraffen zusehen konnten, wie sie sich in den Bäumen von Ast zu Ast schwangen, verabschiedeten wir uns und fuhren weiter zum Vulkan Tenorio in die "Tenorio Lodge".
Wir mussten einfach wieder auf der Panamericana ca. 100 Kilometer in den Süden fahren und in Bagaces links abbiegen und die Straße Richtung Upala hochfahren, die zwischen den beiden Vulkanen Miravalles und Tenorio durchführt. Genau hier liegt die "Tenorio Lodge" die von einem freundlichen französichen Ehepaar geführt wird. Sie besteht aus 8 einzelnen Bungalows und einem Haupthaus. Die Bungalows sind sehr großzügig angelegt und als Highlight bestehen die spitzigen Vorderseiten nur aus riesigen Fenstern mit freiem Blick auf den Tenorio. Wir buchten das Zimmer für vier Nächte im Voraus, was sich auch als sinnvoll herausstellte, da die Lodge ausgebucht war.

Blick auf den Vulkan Tenorio

Unser Zimmer in der "Tenorio Lodge"
Allerdings herrschte ab dem ersten Tag schlechtes Wetter mit viel Regen und einem starken, ja sogar stürmischen Westwind. Den Wind gab es wohl in der ganzen Region, der Regen setzte sich allerdings nur hier oben in den Bergen fest. Obwohl die Lodge nur ca. 500 m hoch liegt war es doch ziemlich kalt und ungemütlich. Nun stellte sich die Buchung über vier Tage doch als Nachteil heraus, wobei es bei schönen Wetter hier sicherlich traumhaft gewesen wäre. Das Highlight hier ist sicherlich die Wanderung zum Rio Celeste, einem kleinen türkisfarbenen Fluss am Fuße des Vulkan Tenorios. Der Beginn des Wanderpfades ist im gleichnamigen Nationalpark, den man nur über eine holprige Schotterstraße erreicht. Nach ca. einer Stunde Fahrt erhält man an der Rangerstation nach Bezahlung von 10 Dollar pro Person einen Plan mit dem eingezeichneten Wanderpfad. Nach ca. 1,5 km über einen beschwerlichen Weg und einen Abstieg über hohe Steinstufen erreicht man einen traumhaften Wasserfall der in ein türkisfarbenes Wasserbecken stürzt. Um zu den Thermalquellen zu gelangen muss man die Stufen wieder hoch und dem Wanderpfad für ca. weitere 2 km folgen.
Wir sahen auf den Steinstufen zu unserer Freude noch eine Schlange, eine noch junge ca. 80 cm lange Mussarana (Clelia clelia), die unter anderem auch andere Giftschlangen frisst. Ausgewachsen kann sie laut unserem Tierführer bis zu 260 cm lang werden. Auf der Hälfte des Weges zu den Thermalquellen kann man sehen, wie das türkisblaue Wasser entsteht. Hier fließen zwei Bäche zusammen deren unterschiedliche Mineralien einen chemischen Prozess hervorrufen der das Wasser milchig blau einfärbt. Bei unserem Besuch war die Farbe durch die starken Regenfälle und den höheren Wasserstand leider nicht so intensiv. Hier in der Nähe finden sich dann auch die Thermalquellen, die jetzt in der Zeit zwischen Weihnachten und Silvester auch viele einheimische Besucher anlocken. Allerdings besteht die warme Quelle nur aus einem kleinen Becken am Rande des Flusses in dem höchstens ein paar Leute Platz haben. So wanderten wir die Strecke ohne ein Bad zu nehmen wieder zurück zur Rangerstation, da es mittlerweile auch schon wieder wie aus Eimer schüttete und wir schon ziemlich durchnässt waren. Wir fuhren zurück in unsere Lodge und gönnten uns ein Bad im hoteleigenen Jakuzzi, der mindestens genauso erholsam war, wie ein Bad in den heißen Quellen.
Der türkisblaue Wasserfall des Rio Celeste

Die heißen Quellen "Las Hornillas"

Eine der fürchterlich nach Schwefel stinkenden heißen Quellen
Um dem schlechten Wetter zu entkommen fuhren wir an einem weiteren Tag auf die andere Seite des Vulkan Miravalles in die Thermalquellen „Las Hornillas“. Trotz dass dieser Ort nur ca. 10 km Luftlinie entfernt war, schien hier die Sonne und es war wunderbares Wetter, außer dem stürmischen Wind der uns hier genauso um die Ohren fegte. Der ziemlich teure Eintritt von 40 Dollar beinhaltet eine Traktorfahrt zu einem Wanderweg der zu einem kleinen Wasserfall führt, sowie das Bad in den heißen Quellen. Vor dem Bad kann man sich mit dem warmen Schlamm aus den brodelnden Schlammquellen einreiben und an der Sonne trocknen lassen, was einen an seine Kindheit erinnert und eigentlich auch Spaß macht. Das einzig störende ist der penetrante Geruch nach Schwefel, der hier aus dem Boden strömt.
Da das Wetter auch am dritten Tag nicht besser wurde, besuchten wir in der Nähe von Canas die Tierauffangstation „Las Pumas“, die vor fast vier Jahrzehnten von einem Schweizer gegründet wurde. Hier finden sich vor allem Raubkatzen die aus privaten Haushalten konfisziert wurden, weil man sie dort als Haustiere hielt oder auch Tiere, die von Autos angefahren wurden oder krank sind und nicht mehr in die Freiheit gelassen werden können, da sie dort nicht überleben könnten.
Nach dem schlechten Wetter schien es wieder besser zu werden, doch wir mussten unsere Rückfahrt nach San José antreten, wo wir dank unseres GPS-Gerätes unser Hotel „Colonial“ recht schnell fanden und am nächsten Tag leider schon wieder nach Hause flogen.
Costa-Rica 2009 - San José - Tortuguero - San Isidro el General - Dominical -
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